- Der Iran-Krieg hat zu einer beispiellosen Volatilität auf den Ölmärkten geführt. Die Preise für Brent und WTI sind seit Beginn des Konflikts stark gestiegen, was sowohl auf tatsächliche Versorgungsengpässe als auch auf erhöhte Risikoprämien zurückzuführen ist. Versandverzögerungen, Versicherungsprämienerhöhungen und geopolitische Unsicherheiten haben den Marktschock noch verstärkt.
- Die faktische Sperrung der Straße von Hormus brachte rund 20 % der weltweiten Öl- und LNG-Ströme zum Erliegen. Förderkürzungen der OPEC+ um bis zu 11 Millionen Barrel pro Tag, Lagerengpässe im Irak und eine Überlastung der Tankerrouten im Persischen Golf führten zu einem akuten Versorgungsdefizit. Die Frachtkosten schossen in die Höhe, und die Versicherungsprämien für Tankertransporte stiegen stark an, was die Rohölpreise bei Ankunft weiter in die Höhe trieb.
- Erhöhte Ölpreise und globaler wirtschaftlicher Druck haben das Nachfragewachstum gebremst. Asiatische Raffinerien sahen sich mit Rohstoffengpässen konfrontiert, europäische Abnehmer mussten mit begrenzten Importen auskommen und dabei risikobehaftete Routen meiden, und die nordamerikanischen Märkte stützten sich auf strategische Vorräte und Anpassungen der heimischen Produktion, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.
Asien
In Indien stiegen die Rohölpreise von 4.965,06 INR/Barrel im Januar auf 6.590,20 INR/Barrel im März, was einem Anstieg von 23,35 % gegenüber dem Vormonat und von 13,87 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Der Konflikt im Nahen Osten unterbrach die üblichen Tankerrouten durch die Straße von Hormus, was zu einem sprunghaften Anstieg der Fracht- und Versicherungskosten für Rohöltransporte führte. Indische Raffinerien wie IOC, HPCL und BPCL begannen, Vorauszahlungen von Einzelhandelsstellen zu verlangen, um die angespannte Versorgungslage zu bewältigen. Da 40 % des indischen Rohöls aus dem Nahen Osten importiert werden und 60 % des Flüssiggases (LPG) über die Straße von Hormus transportiert werden, sank die Verfügbarkeit von Flüssiggas im Inland. Die Raffinerien waren gezwungen, alternative Lieferanten zu suchen, darunter auch russisches Öl, und gleichzeitig Wartungs- und Transportpläne neu zu koordinieren, um Versorgungsengpässe abzumildern.
Europa
In Europa stiegen die Rohölpreise im ersten Quartal 2026 deutlich an. Durch die gestörten Exporte aus der Golfregion waren europäische Abnehmer gezwungen, um die begrenzten Ladungen zu konkurrieren, was sowohl die Frachtraten als auch die Versicherungsprämien in die Höhe trieb. Für Asien bestimmte LNG-Lieferungen wurden teilweise umgeleitet, was sich auf die europäische Energielogistik auswirkte. Versorgungsengpässe in Verbindung mit einem stärkeren Dollar ließen die Importkosten steigen. Sorgen um die Energiesicherheit veranlassten europäische Abnehmer zudem dazu, langfristige Verträge abzuschließen und Bezugsquellen außerhalb der Golfregion zu erschließen. Insgesamt sorgten diese Faktoren dafür, dass die Preise für Rohöl und Ölprodukte hoch blieben, trotz eines moderaten Nachfragewachstums, das durch Inflationsdruck und Risiken einer Konjunkturabkühlung gedämpft wurde.
Nordamerika
Der Rohölpreis in Nordamerika stieg von 64 USD/Barrel (SPOT) im Januar auf 86 USD/Barrel im März, was einem Anstieg von 25,56 % gegenüber dem Vormonat und von 16,74 % gegenüber dem Vorquartal entspricht. Die USA sahen sich hohen Risikoprämien für Importe aus der Golfregion gegenüber, wobei die Versicherungs- und Frachtkosten aufgrund des Iran-Konflikts stark anstiegen. Strategische Vorräte trugen dazu bei, die Auswirkungen abzufedern, wobei die Rohölvorräte um 3,5 Millionen Barrel auf den höchsten Stand seit über drei Jahren stiegen. Anpassungen der heimischen Produktion und mögliche Eskortmaßnahmen der US-Marine für Tanker durch die Straße von Hormus waren entscheidend für die Stabilisierung des Marktes. Dennoch sorgte das erhöhte geopolitische Risiko für anhaltende Volatilität der WTI-Preise, wobei weitere Preisspitzen möglich sind, sollte der Tankerverkehr weiterhin eingeschränkt bleiben.